- Teil 2 -

Nach dem verwesten Fleisch spricht man nun von Urin, Geflügelkot, DDT und chemischen Giftstoffen. Was landet eigentlich in den Futternäpfen unserer Haustiere?

Neue »Delikatessen« und neue Würmer: Mehr als je gottvergessene Kinder!

Im Anschluß an den Erfolg unseres Artikels »Würmer-Delikatessen« (Orizzonti, März 1996), haben uns viele Leser ersucht, auf dieses Argument zurückzukommen. Der Grund dafür ist in der steigenden Anzahl von Hunden und Katzen zu suchen, die an Lebensmittel-Erkrankungen leiden: Nieren- und Leberschäden, Krebs (insbesondere Tumoren im Mund und am Zahnfleisch), Hautkrankheiten mit starkem Jucken und Pelzausfall, Allergien verschiedener Arten. Diese Schäden sind nicht neu, doch laut Aussage einiger Veterinäre nehmen sie proportional zu der größeren Verbreitung von Fertignahrung für Hunde und Katzen zu. Doch es scheint uns wichtig hervorzuheben, daß nicht nur die Büchsen und Trockenfutter (egal, welcher Marke sie angehören), angeprangert werden, sondern die unseren Haustieren allgemein angebotene Nahrung, weil sie den Anforderungen nicht entspricht. Hunde und Katzen haben Zähne, Magen und Gedärm, die dazu geschaffen sind, Beute zu zerreißen und zu verdauen. Die ihnen angebotene Nahrung aber bildet Zahnstein auf ihren Zähnen, begünstigt Verdauungsprobleme, Durchfall usw., während die Zufuhr von Mineralien und Vitaminen nicht immer genügend ist.

Im Jahre 1989 berichtete die deutsche Zeitschrift »Der Spiegel« (Nr.23) über die unglaubliche Geschichte des Magazins »Chancen«, das am Umweltanalytik-Institut Ökolimma 24 Nahrungsmittel für Hunde und Katzen hatten analysieren lassen, mit dem Resultat, daß in allen 24 Mustern schädliche Substanzen vorhanden waren: Blei, Quecksilber, DDT, PCB (Biphenylpolychloat), Kadmium, Lindan, zusammen mit fast allen Umweltgiften, davon einige in beachtlichen Mengen.

Viele dieser Substanzen sind krebserregend, wie zum Beispiel das DDT, das PCB und Lindan; letzteres ist ein Pestizid, das, wie das Insektizid DDT, aus dem Handel gezogen wurde, weil es krebserregend ist. Das PCB wirkt, nebst karzinogen zu sein, schädigend für die Haut (Jucken und Wunden), für die Atmung und im neurologischen Bereich. In den Mustern sind ebenso ansehnliche Mengen von Alpha- und Beta-HCH (Hexachlorcyclohexan), einer ebenfalls sehr gefährlichen Substanz gefunden worden.

In Sachen Tiernahrung sind die Gesetze besonders weitmaschig, es bestand somit keine Gesetzesübertretung. Die betreffende Industrie hatte sich aufgelehnt gegen die Umfrage (Prüfung) von »Chancen«, und hatte das Institut Ökolimma bezichtigt, sich geirrt zu haben. Vom Herausgeber der Zeitschrift wurde eine Wiedergutmachungssumme von 300 Mio. DM verlangt. Auch wurde damit gedroht, der Verlegerkette, der »Chancen« angehört, alle Werbeinserate zu streichen. Der Verleger zog es vor, die ganze Edition von »Chancen« zu vernichten; sie wurde nie herausgegeben.

Einige Industrien haben Verarbeitungsmethoden zur Umwandlung von Fleischabfällen und Gemüse in Hunde- und Katzennahrung patentieren lassen; dies mit dem Segen der Gesetze verschiedener Länder.

In unserem letzten Artikel (»Wurm-Delikatessen«), haben wir von Industrieabfällen gesprochen, von Schlachtabfällen, Federn und Geflügelpfoten; von kranken und verwesendem Fleisch, von Fleisch von Föten, das durch Zirrhose verseucht und durch Viren jeder Art infiziert ist. Dieses Fleisch kann, dank der Großzügigkeit der Gesetze, als Rohstoff zur Herstellung von Nahrungsmitteln für Hunde und Katzen verwendet werden. (doch nicht immer, man soll nicht alles in einen Topf werfen). Diese Abfälle dürfen, nachdem sie durch Manipulation und Transformation unkenntlich gemacht wurden, unter der allgemeinen Bezeichnung »Proteine« verkauft werden. Dank der Veröffentlichung eines Artikel der tierfreundlichen Organisation »Arche 2000«, können wir der Liste nunmehr auch Urin und Geflügelkot, wie auch Klärschlamm aus biologischen oder chemischen Kläranlagen, beifügen. Immer laut »Arche 2000« ist es nicht gesagt, daß diese »Protein«-Arten unbedinallen Nahrungsmitteln für Hunde und Katzen vorhanden sein müssen, ist doch inzwischen die Verwendung von »Geflügelkot« verboten worden.

Doch es scheint, als würden die Forschungsabteilungen gewisser Hersteller nicht davor zurückschrecken, gewisse sehr unappetitliche Rohstoffe zu verwenden. Trotz allem sind viele Hunde und Katzen versessen auf solche Nahrungsmittel, denn man muß nicht denken, daß solche »Protein« einen schlechten Geruch haben. In Wirklichkeit werden hauptsächlich synthetische Substanzen beigemengt, um ihnen verführerischen Geschmack und Aroma zu verleihen. Diese Substanzen sind oft schädlich, da es sich um chemische Zusätze handelt. Sie sind auch gefährlich, weil sie Abhängigkeit schaffen: Hunde und Katzen werden wie gedopt und können auf diese Sorte Büchsen oder Biskuits nicht mehr verzichten. Doch auf diese Art und Weise sichern sich die Hersteller das Marktinteresse. Einer dieser Zusatzstoffe ist der Karamel, der den Zähnen schadet. Die Hersteller wissen durch geschickte Propaganda, wie sie ihre Produkte darstellen; sie zögern nicht, für diese Reklame Hunderte von Millionen pro Jahr auszuschütten. Laut deutschen Informationsquellen hat im Jahre 1995 eine einschlägige Firma 232 Mio. DM für die Werbung ihrer Produkte ausgegeben. Die Sache ist die, daß die Konsumenten nicht wissen, was diese vorfabrizierten Nahrungsmittel enthalten, da auf den Etiketten fast immer die Angaben über deren Zusammensetzung fehlen. Doch dank der Propaganda ist jedermann überzeugt, das Beste für sein Tier einzukaufen. Der Jahresumsatz für Tierfutter und -Biskuits wird in Europa auf 14 Milliarden Schweizerfranken geschätzt; die Produktion in der Schweiz hat sich seit Anfang der Achtzigerjahre bis heute mehr als verdoppelt, und zwar von 4000 t auf 8300 t im Jahre 1995, Importprodukte nicht berücksichtigt. Im Zusammenhang mit diesem riesigen Markt werden Tierversuche ausgeführt, finanziert von den Herstellern, wie jener von Prof. Dr. med. vet. Josef Lebetseder am Institut für Tiernahrung der Universität Wien.

Dieser Versuch, finanziert durch eine bekannte Marke für Tiernahrung, betraf Hundebiskuits. Es wurden 16 Beagle-Hunde eingesetzt (8 Rüden und 8 Weibchen). Diese wurden in vier Zwinger der Versuchsabteilung der veterinärmedizinischen Fakultät der Wiener Universität eingesperrt, und in vier Gruppen, je nach Art der Ernährung, eingeteilt.

Alle haben auf unterschiedliche Weise die zu prüfenden Biskuits erhalten. Der Versuch hat ein Jahr gedauert, wobei die 16 Hunde verschiedene täglich, wöchentliche und monatliche Kontrollen aushalten mußten. Diese betrafen die Nahrung, das Wasser, die Temperatur, die Atmung, die Ohren, die Schleimhäute, die Haut, das Blut, das Serum, die Leber, die Galle, die Nieren, die Milz, die Schilddrüse usw., verschiedene Elektrokardiogramme und weitere Tests.

Nach einem Jahr wurden die Tiere durch tödliche Injektion am dritten und fünften Tag nach Ende der Forschungsreihe, euthanasiert; alle um 15 Uhr nachmittags, nachdem sie während 24 Stunden gefastet hatten. Ihre Körper wurden der Autopsie unterzogen. Es ist augenscheinlich, daß die physiologischen Reaktionen dieser 16 unglücklichen Beagles nicht auf andere Hunde übertragen werden können (selbst nicht auf Beagle-Hunde), die außerhalb der Labors leben. Dies ist kein ökonomisches Argument, sondern eine wissenschaftliche Tatsache.

Doch, Ironie des Schicksals, es werden trotz der gesetzlich zugelassenen Rohstoffe, die der Haustiernahrung beigemengt werden dürfen, sehr viele Marken an Tieren ausprobiert. Diese müssen nicht für das Wohl ihrer Artgenossen sterben, sondern um Alibis zu schaffen und den Herstellern hohe Gewinne zu sichern. (A.St.)


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